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31st Mai 2010

Der heilige Feuerstuhl – kurze Geschichte der Automobilität im Vatikan

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Man mag von Ratzinger halten, was man wolle – genau wie sein Vorgänger verfügt er zumindest über eine auffällige Karosse. Eine? Streng genommen sind es ganz schön viele Autos, die der Vatikan so unterhält.

Achse Stuttgart – Rom

Die Geschichte der Wagen im Vatikan geht weiter zurück als bis zur Einführung des Papamobils durch Johannes Paul II, denn schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann die Motorisierung des heiligen Stuhls. Papst Pius XI war denn der erste, der eine Auto geschenkt bekam, und zwar einen deutschen Wagen aus Stuttgart, bzw. Mannheim, wo das Haus Mercedes Benz den „Rom-Wagen“, so der Arbeitstitel des Werkes, fertigen ließ. Das gute (Einzel-) Stück hatte es in sich; denn neben der hölzernen Innenausstattung und christlichen Motiven, die von Nonnen der Benediktinerinnen kunstfertig an die Decke gestickt worden waren, verfügte es über die neuesten technischen Errungenschaften – so war es dem Besitzer möglich, über eine Vorrichtung mit dem Fahrer in Kontakt zu treten, um ihm Anweisungen bezüglich des Fahrttempos und des Bestimmungsortes zu geben. Auch gegen das Sonnenlicht war der Pontifex geschützt: das Mobil war wohl eines der ersten, die über getöntes Fensterglas verfügten.

Jesus Built My Hot Rod

Erst Johannes Paul II war es, der das Papamobil einführte, auch wenn der Vatikan immer über Autos verfügte. Bei öffentlichen Auftritten jedoch ließ sich der Papst bei diesen Gelegenheiten meist in einem Thron tragen. Der der nicht gerade öffentlichkeitsscheue Karol Józef Wojtyła (104 Auslandsreisen während seiner Amtszeit hat der Herr auf dem Kerbholz) brauchte nun nun aber einen Wagen, der nicht unbedingt (wie seine Vorgänger) reisetauglich sein musste, sondern vor allem vielmehr auf Öffentlichkeitskontakte zugeschnitten sein sollte. So musste es neben optischen Aspekten ermöglichen, mit den Menschenmassen auf Tuchfühlung zu gehen – es musste also ein besonderes Augenmerk darauf liegen, wie sich das Auto bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten verhält.

Vorsprung durch Technik

Des nicht berührungsscheuen, wie ein Popstar verehrten Papstes Rechnung ging auf: er war der Papst der Massen, mehr als jeder seiner Vorgänger. Und das Papamobil ist ein integraler Bestandteil der Öffentlichkeitswirksamkeit seines Auftretens. Zusätzlich sollte der Wagen über die Möglichkeit verfügen, auch abseits der offiziellen Wege zu fahren. Und so wurde das Papamobil also zu einem schicken Wagen, der sowohl auf seine Repräsentationszwecke zugeschnitten war, als auch auf die größte Reichweite, bzw. Anpassungsfähigkeit an die Gegebenheiten durch die Qualitäten eines Geländewagens. Man sieht hieran, dass die Popularität Johannes Pauls II nicht von ungefähr kam, sondern Resultat einer durchgestylten Kampagne.

Stuttgart – Starachowice – Rom – Stuttgart

Das erste Papamobil wurde im Herkunftsland Wojtyłas gebaut: in Polen, das der „heilige Vater“ im Jahre 1979 besuchte, wurde der Wagen von der Marke „Star“ hergestellt. Ansonsten ließ man die Automobile für den Vatikan stets im Westen fertigen; so erbte Ratzinger von Wojtyła einen Fiat, ersetzte diesen Gebrauchtwagen dann aber 2007 wieder durch einen Mercedes. Insgesamt gibt es derzeit ca. fünf Dutzend Papamobile, die in unterschiedlichen Ländern stehen und auf die der oberste Katholik bei Bedarf vor Ort zurückgreift.

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